Zum Sonntag Misericordias Domini, 26.04.2020

von Pfrin. Dr. Heidi Buch

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Wochenspruch: Christus spricht: ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Joh 10,11.27.28)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserin, lieber Leser,
an diesem 26. April 2020 begrüße ich Sie zu unserem „Hirtensonntag“!
Die aktuelle Situation lässt mich jedoch zunächst nicht auf eine saftige Wiese mit Hirten und Schafen blicken. Zeitung, Radio und Fernsehen sind wohl weiterhin für die meisten von uns ganz wichtige Medien. Bei dem einen und der anderen mag sich dennoch so etwas wie Gewöhnung und Alltag in dieser Corona-Krise eingestellt haben, bei dem oder der anderen wächst hingegen von Tag zu Tag der Stress. Besonders mit kleinen Kindern in engen Wohnverhältnissen stelle ich es mir in diesen Tagen schwierig – sehr schwierig – vor genauso wie mit Kindern und Jugendlichen, die sich so gar nicht zum Lernen motoivieren lassen wollen und/oder denen jetzt richtig langweilig ist!.
Und da vermisst einer/ eine seine Enkel und der/ die andere hätte so gerne wieder Besuch – nicht nur über das Telefon oder per Skype. Und dann gehen wieder die Emotionen hoch: so viele Infizierte in unserer Reha-Klinik. Wie lange hatten wir uns schon über das Verhalten einiger Reha-Patienten und die laxen Schutzmaßnahmen gewundert und aufgeregt… und jetzt das!

Und nun kommen ab der nächsten Woche weitere Lockerungen für unseren Alltag: gehen sie weit genug oder stellen sie eine Gefahr dar?

Und nun meine letzte Frage: Ob der Hirte auf der Weide uns dazu etwas sagen kann? Dieser Frühsommer im April ist auf jeden Fall ein Traum! Ja, es regnet nicht – welch ein Sonnenschein – mein Garten ist wie ein Paradies.

Gebet

Hüter alles Lebendigen:
Die Wege, die du uns führst,
sind nicht immer leicht zu erkennen,
oft bist du im Stimmengewirr kaum zu hören.
Lass uns begreifen, wohin wir gehen sollen
und deine Stimme hören.
AMEN.

Psalm 23

Kreuz

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Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Evangelium Joh 10,11-16

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,
13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Lieber Leser, liebe Leserin,

nun sind wir doch in eine völlig andere Welt eingetaucht. Da ist der Psalm 23 mit seinen unvergleichlich schönen, beruhigenden Bildern. Er verharmlost nicht, sieht uns in dunklen Tälern des Lebens aber auch auf schönen Wegstrecken. Sogar unsere Feinde nimmt er mit auf – und gibt uns im erbitterten Kampf, in dem uns Unrecht geschieht, vor aller Augen unser Recht zurück.

Was mir jedoch schon immer ein Stirnrunzeln verursacht hat, ist, dass ich – Sie – ja wir alle - mit Schafen verglichen werden. Sind sie nicht ein bisschen – na ja – dumm? Stehen auf der Weide rum, folgen dem Herdentrieb und machen, was der Chef sagt? So möchten wir ja nun nicht sein. Und, so frage ich Sie, wie kommt Jesus auf die Idee, seine Anhänger mit einem Tier zu vergleichen, das auch noch als Opferlamm oder Hochzeitsbraten geschlachtet werden kann?
Aber: da muss ich mich nun doch selbst zur Ordnung rufen. Es war nicht einmal Jesu Idee, im Alten Testament steht es schon, dass mit dem Vergleich von Hirte und Schaf etwas ganz Besonderes ausgedrückt werden soll. Dem Schaf kommt hier keineswegs die Bedeutung von „dummes Schaf“ zu. „Du Hirte Israels höre, der du Josef hütest wie Schafe“, so heißt es etwa im 80. Psalm. Geht es denn dann, so wie hier, nicht um etwas ganz anderes, nämlich um die Kunst des Hirten, die Kunst des Beschützens? Darin liegt der Kern des Gleichnisses.

Jesus sagt: „Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe“ und weist damit auf sich, seine Aufgabe, sein Leben und seinen Tod. Das ist ein klares Wort! Wir wollen doch wissen, was wir von unserem Gegenüber halten können. Bauernfänger gibt es nur allzuoft. Hier im Johannesevangelium beschreibt Jesus sich und seine Aufgabe mit allergrößter Deutlichkeit. Das Bild vom „guten Hirten“ trägt bis heute, weil sich an der Aufgabe des Hirten bis heute nichts geändert hat. Bei Wind und Wetter ziehen die Hirten über Wiesen und Felder, sind Geburtshelfer, Arzt und Wegweiser. Auch unter einem schlechten Hirten können wir uns etwas vorstellen. Die sehen ihren eigenen Vorteil: ziehen sich zurück, wenn es mal regnet, Schlechtwetterphasen sind ihr Ding nicht. Vor Gefahren laufen sie einfach davon, rette sich, wer kann. Und das klare Wort kennen sie auch nicht, fake news, wo wir nur hinschauen. Und manch einer, der sich als Hirte ausgibt, entpuppt sich am Ende als Dieb, Lügner oder gar als Schlächter. Davor warnt Jesus und bietet sich selbst als Hirten an: „Ich bin gekommen, dass sie leben können und im Überfluss finden, was sie brauchen.“ Das klingt nun irgendwie wie ein rundum Sorglos-Paket. Ein Angebot, das jede Versicherung arbeitslos machen würde. Aber selbst Gott bietet uns keine solche Versicherung an! Doch Gott bietet die Gewissheit, dass Jesus als der gute Hirte Wegbegleiter, Arzt und Helfer zum Leben ist. Dass muss man sich mal klar machen. Das ist doch ein Wort – auch in Corona-Zeiten!

Fürbitten

Gott, dein Sohn, kommt uns nahe als guter Hirte.
Er weist uns den Weg und schützt uns vor Gefahren.
In vielen Stunden spüren wir, dass er mit uns geht.
Das gibt uns Mut und Zuversicht, dich zu bitten
- für alle, die in diesen Tagen krank, gestresst, überfordert und traurig sind,
- für alle, die anderen Wege weisen und für sie Verantwortung übernehmen,
- für alle, die Schutz brauchen und Ermutigung,
- für alle, die verlassen sind und verzweifelt.
Hilf uns und ihnen, dass wir uns dir anvertrauen.
Dann können wir verändern, was sich verändern lässt,
und annehmen, was nicht geändert werden kann.
AMEN.

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir seinen Frieden.
AMEN