Zum Sonntag Jubilate, 03.05.2020

von Pfrin. Dr. Heidi Buch

Liebe Gemeindeglieder,
lieber Leser, liebe Leserin,

Jubilate – Freut euch! Auch in Zeiten der Corona-Krise… Jubilate ist der Sonntag der Neuschöpfung. Er ist Erinnerung an die erste Schöpfungsgeschichte – und „Siehe, es war sehr gut“ – ist Jubel über die Auferstehung und die Hoffnung auf den verheißenenen Himmel und die neue Erde.

Psalm 8

Kreuz

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Herr, unser Herrscher,

wie herrlich ist dein Name in allen Landen,

            der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

            Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge

            hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen.

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,

den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:

            was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,

            und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,

mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

            Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,

            alles hast du unter seine Füße getan:

Schafe und Rinder allzumal,

dazu auch die wilden Tiere,

            die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer

            und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher,

wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist – AMEN.

Gebet

Gott, unser Herr,
du hast uns für die Freude erschaffen
und willst, dass wir einander glücklich machen.
Gib uns ein Herz, das die Freude sucht
und sie doch nicht festhalten will,
das verzichten und teilen kann
und das sein Glück in der Freude der anderen findet.
Durch Jesu Christus, unseren Herrn.
AMEN.

Evangelium Joh 15,1-8

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Liebes Gemeindeglied, lieber Leser, liebe Leserin,
in diesem Frühjahr sind durch die bitteren Begleitumstände viele von uns viel häufiger in ihren Gärten oder in der Natur unterwegs als in den vergangenen Jahren.
Ich selbst habe mich schon lange nicht mehr so sehr über das Grünen der Bäume, über jede Knospe und jede Blüte gefreut. Da kommt Jubel auf: wie schön ist Gottes Welt!
Dass wir Gottes Schöpfung bewahren wollen, darin sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Die Frage ist, worauf wir bereit zu verzichten sind. Urlaubsreisen mit dem Flugzeug? Die vielen Kleiderstücke im Schrank? Zwei, drei, vier Autos pro Haushalt? Es wäre fatal, wenn wir durch die Corona-Krise die Klimadebatte aus den Augen verlieren würden. Im Moment fahren wir alle sehr viel weniger Auto, Reisen egal mit welchem Fortbewegungsmittel sind nicht möglich, die Industrie ist gedrosselt - die Co2 – Emissionen haben stark abgenommen. Das wird so nicht bleiben. Ein Umdenken ist dringend angesagt! Wir müssen an diesen Fragen „dranbleiben“!

Im Evangelium dieses Sonntages geht es auch um das „Dranbleiben“. Es verwendet ein Bild aus der Natur: den Weinstock und seine Reben. Johannes formuliert, als hörte man Jesus selbst sagen: Ihr wisst es doch, nur Reben, die dranbleiben, bringen Früchte. Wenn eine Traube sich vorzeitig löst, wird nichts draus. Wie bei euch. Wenn ihr dabeibleibt, was ihr von mir gehört und gesehen habt, werdet ihr und viele was davon haben, auch von euch etwas haben.

Die Jesus-Jünger und alle, für die Jesus Vorbild wurde, nannte man nach einer Weile Christen. Das zeigt schon sprachlich die enge Verbindung mit Christus. Ihre veränderte Lebensart war auch für andere attraktiv. Johannes vergleicht das mit dem Fruchttragen der Trauben: Andere kamen auf den Geschmack und bekamen Lust nach mehr. Lust auf eine Welt, die anderes wird, wo sie von Jesus beeinflusst ist.

Jesus hatte Menschen in ihrer Situation ernstgenommen und ihnen gegeben, was sie brauchten; hatte Augen geöffnet, von Dingen erzählt, die sie nie gehört hatten, Verstummte dazu gebracht, ihren Mund aufzumachen, andere dazu, dass sie sich bewegen lernten, hat Unbekannten zugehört, ihnen zum Recht verholfen, Partei ergriffen, wo die Würde verletzt war, keine Angst gehabt vor Kranken, Andersartigen und Ausgegrenzten. Das hat angesteckt! Auch seine Anhänger haben so gewirkt. Leute eines neuen Weges, einer neuen Gangart, mit dem Ziel einer anderen Welt vor Augen.

Anhänger Jesu haben zu allen Zeiten zu Veränderungen beigetragen. Sie sind drangeblieben. Sie haben den Mund aufgemacht und „Frucht gebracht“. Sie waren an der Seite der Schwachen, haben den Stummen eine Stimme gegeben, sind gegen Erniedrigung und Unterdrückung aufgestanden.
„Jesuslike“ leben nennt ein heutiger Buchautor, was Johannes mit dem Gleichnis von den Früchten des Weinstocks andeutet. Wenn jemand in Christus ist, „jesuslike“ lebt, kriegt man was davon mit. Da geht es um Lebensrettung, ja um Weltrettung. Da geht es um Rettung von Leben – das Leben von Flüchtlingen, Traurigen, Beschädigten, Benachteiligten, Diskriminierten. Da geht es um die Rettung der Natur – von Pflanzen und Tieren, Wäldern und Meeren.

Dranbleiben, sagt Jesus. Er deutet dabei auf sich und das, was mit ihm angefangen hatte. Dranbleiben ist nicht einfach. Wir spüren das, wenn wir uns etwas vorgenommen haben und uns der Atem ausgeht. Dranbleiben ist ein Marathon.

Kennen Sie das? Der Computer geht nicht, das Telefon hat kein Freizeichen, keine Verbindung - mit niemand. Der Anschluss versagt, der Strom fällt aus. Plötzlich merken wir: der Stecker ist gezogen. Losgelöst von Jesus und seinen Signalen kommt aus unserem Christsein wahrscheinlich auch nicht viel raus. Ohne das Miteinander in der Gemeinde und in unseren Kirchen werden wir wenig erreichen. Nur mit dem „Dranbleiben“ gibt es viele Früchte.
Wir bleiben dran – wir bleiben miteinander in Verbindung – auch noch in Corona-Zeiten.
„Ehre sei Gott und den Menschen Frieden!“ AMEN.

Fürbitten

Gott, du Ursprung alles Lebens,
die Corona-Krise beschwert unser Leben,
wie vieles ist anders geworden.
Neue Regeln bestimmen unser Leben.
So vieles fehlt: der unbeschwerte Kontakt mit den Nachbarn,

die Begegnungen in der Familie, die Freunde und Freundinnen,
die Schule und für viele auch die Arbeit.
Viele Familien sind am Rand ihrer Kräfte,
die Einsamen warten auf ein Wort des Trostes.

Und dennoch freuen wir uns auch in diesen Tagen:
sanfte Winde wehen,
Zweige treiben Knospen und Blüten,
Vögel wecken uns mit ihrem Lied.
Dir, dem Grund aller Freude,
sagen wir DANK.

Wir danken dir für so viel neu geschenktes Leben,
für jeden neuen Tag,
für jedes gute Wort, das uns erreicht,
für jede Freundlichkeit, die uns in dieser Zeit gelingt,
Dir, dem Grund aller Freude,
sagen wir DANK.

Das lässt die Sorgen ein Stück verblassen,
die gerade in dieser Zeit da sind.
Wir werden empfänglicher für die kleinen Freuden
und sehen das Leben mit anderen Augen.
Wir danken dir, Herr, denn du bist freundlich,
und wir wissen,
deine Güte währet ewiglich.
AMEN.

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir seinen Frieden.
AMEN