Zum Osterfest am 12./13.04.2020

von Pfrin. Dr. Heidi Buch

Ostermorgen - da stellen sich Bilder ein
von der Sonne, die im Osten aufsteigt,
vom Beginn eines strahlenden Morgens,
von einem Grab mit einem weggewälzten Stein,
von dem Sieg des Lebens über den Tod,

Gebet

Herr, unser Gott, du rufst uns mit Jesus aus dem Tod ins Leben.
Wir bitten dich: Lass uns nicht in dunkler Nacht bleiben.
Schenke uns wieder Hoffnung auf deinen Tag, den Tag des Lebens und der Freude
inmitten von Tod und lähmenden Zweifeln.
Durch Christus, unseren Bruder, der für uns lebt.
AMEN.

Die Botschaft von Jesu Auferstehung

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.
2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.
3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.
5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.
6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.
(Mk. 16,1-8)

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Leser und Leserinnen,

einen solchen Triumph möchten wir einmal erleben: den Sieg der Liebe über die Macht des Bösen – ein für alle Mal – endgültig und klar.
Dann – ja dann – hätte auch ein weltweiter Virus, der das Leben lahmlegt, keine Möglichkeiten und keine Macht mehr – kein Leid, kein Schmerz. Tod, wo ist dein Stachel?

Das ist es, was die Frauen auf ihrem Weg zum Grab am meisten quälen muss, dass die Logik der Gewalt und der Vernichtung recht zu haben scheint, als wären auf dieser Welt Güte, Verständnis, Menschlichkeit tote Phrasen und die breiten Stiefel der Mächtigen am stärksten. Die Verächter des Lebens werden immer wieder bestätigt, die Barbarei des Karfreitags hat auf dieser Erde kein Ende.

Wie schön wäre es, wenn die Erde bebte und all das Unmenschliche in einem tiefen Abgrund verschwände!
Aber davon erzählt die Ostergeschichte nicht.
Die Wachen werden wieder aufstehen und sich für die erlittene Niederlage rächen: Umso grausamer werden sie die Schergen des Todes spielen und ihre Angst durch das Klirren der Rüstung übertönen. Ein Sieg der Liebe über die Macht des Bösen - ?
Wer glaubt das schon?

Selbst die Jünger flohen vor der Gewalt und der Angst vor der Zerstörung ihres Lebens. Aber sie flohen in ein Leben, das keines ist. Nur wenige Frauen blieben unter dem Kreuz.

Die Frauen, die am Ostermorgen zum Grab gehen, haben das Gefühl, dass der Tote lebendiger ist als alle Henker und Mörder. In diesem Glauben begegnet ihnen eine Wirklichkeit, die schon da ist, die sie aber mit ihren verweinten und tränenden Augen und mit einem Herzen voller Verzweiflung nicht sehen können.
Doch mit den Augen der Seele erkennen sie und auch wir plötzlich den Engel, der den Stein vom Grabe gewälzt und in der Grabeshöhle auf die Frauen wartet.
Der Stein ist fort!

Endgültig und wie vom Blitz getroffen könnte uns diese Erfahrung zu teil werden, die uns vor Tod und Versteinerung schützt. Wie oft sind wir vom Kampf mit dem Leben erschöpft, weil wir keinen Schritt weiterkommen. Da klingt die Osterbotschaft wie eine Erlösung. Der Stein ist fort – und wir sind frei für das Leben!

Es ist das Wunder der Person Jesu, dass Gräber sich öffnen, dass Verzweiflung zum Glauben ruft, dass wir ahnen, dass in der Nacht eine Kraft wächst, die den Felsen sprengt.
Man wird bei den Geschichtsschreibern nichts verzeichnet finden von alledem, aber die Botschaft ist stark genug, unser Herz zu verändern.
Wenn wir auf diese Wirklichkeit Gottes treffen, heißt es immer zuerst: „Fürchtet euch nicht!“, weil das Fremde überwältigt und Angst macht.
Aber dann erfahren die Frauen, dass dieses Leben schon da ist. Welch eine Freude, welch ein Lachen! Der Sieg über den Tod begann in Jesu Leben, so dass Menschen in seiner Nähe sich aufzurichten wagten und aus den Grabkammern ihres Daseins und der Gruft ihrer Gefühle heraustraten. In der Begegnung mit Jesus wuchs die Kraft, sich selbst anzunehmen und zu erfahren, dass wir alle gemeint sind und unser kurzes Dasein die Bedeutung des Ewigen trägt.

Die Frauen begegnen Jesus selbst, der sie nach Galiläa schickt, dem Ort seiner Verkündigung. Keines der Worte, die Jesus am See Genezareth sprach, ist verloren. Seine Worte haben Zukunft und gehen uns voraus.
So gewinnen wir die Fähigkeit, Gräber geöffnet zu sehen und den Engel wahrzunehmen, der den Stein nicht mehr zurückrollen lässt.
Am Ostermorgen erwartet uns die Hoffnung, dass in der Nacht und in der Kälte die Macht Gottes wirksam bleibt – heute und morgen – in Krisen und in schönen Zeiten.

Ich wünsche Ihnen ein
FROHES UND GESEGNETES OSTERFEST

Segen

 Der Herr segne uns und behüte uns,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig, 

der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden.

AMEN.