Zu Gründonnerstag, 09.04.2020

von Pfrin. Dr. Heidi Buch

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Leser und Leserinnen,

eigentlich müsste dieser Tisch heute leer sein! Ein Abendmahl ohne Gäste… - doch keine Sorge, irgendwann werden auch wir nach dieser Krise wieder gemeinsam das Heilige Abendmahl feiern – und ich freue mich schon darauf.

Die Ereignisse sind in dieser Karwoche nach den Berichten der Evangelien dicht gedrängt. Der Einzug in Jerusalem und die Hosianna-Rufe sind verklungen. Jesus hat über Jerusalem geweint, in Gleichnissen zur Wachsamkeit gerufen und um die Liebe gekämpft. Aber der Leidensweg Jesu ist unaufhaltsam. Seine Botschaft der Liebe zu Gott und den Menschen greift tief in die gewohnten Vorstellungen vom Leben ein. Und so sind es letzte Zeichen: die Salbung der Maria mit wertvollem Öl in Bethanien, die Fußwaschung am Abend des Passahfestes und dann das Abendmahl, das letzte, das zum Abschied werden soll.

20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.
21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich's?
23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.
24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.
25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.
26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.
27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;
28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.
30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.
(Mt. 26,20-30)

Jesus sitzt mit seinen Jüngern um den Tisch bei Lammbraten und Wein und ungesäuerten Broten. Sie hatten noch einen Raum bekommen im überfüllten Jerusalem am Vorabend des Passahfestes.
Sie sitzen zusammen und noch einmal hören sie die Erzählung von der Befreiung aus Ägypten, - Erinnerung an einen von Gott geführten Weg aus tiefster Not.
Draußen wird es dunkel. Flackerndes Licht erfüllt den Raum. Sie alle haben ihre ganz eigene Geschichte mit Jesus. Er hat ihren Hunger nach Leben gestillt. Sie waren zusammengewachsen auf dem Weg durch Galiläa.
Seit sie in Jerusalem sind, spüren sie, dass die Anfeindungen zunehmen und dass ihre Hoffnungen, die sie auf Jesus gesetzt haben, sich offensichtlich so nicht erfüllen! Ihre Gemeinschaft ist darüber brüchig geworden.
Einen Abend lang vergessen, was sich da draußen zusammenbraut, gemeinsam feiern, sich noch einmal finden, bevor alles zusammenbricht. Noch einmal Nähe erleben, bevor Jesus seinen einsamen Weg geht.
Und dann plötzlich diese Worte Jesu: „Nehmet, esset; das ist mein Leib“. Er bricht das Brot, gibt es seinen Jüngern. Und nach dem Essen reicht er den Kelch mit Wein: „Trinket alle daraus, das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“
Diesmal ist alles anderes. Hellwach sind sie bei diesen Worten und Zeichen. Altbekannt und doch ganz neu. Zeichen und Worte brennen sich in ihr Gedächtnis ein, obwohl oder gerade, weil sie es nicht verstehen. Wie könnten sie auch. Aber sie spüren den Abschied und die Besonderheit der Worte und der Situation.
Es ist Zeit aufzubrechen. Sie singen den Lobgesang und machen sich auf den Weg zum Ölberg.

Gebet

Kreuz

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Es war in der Nacht,
in der einer seiner Freunde ihn verriet.  
In der Nacht, als sie ihn gefangen nahmen.
In der Nacht, bevor sie ihm den Prozess machten.
In der Nacht, bevor sie ihn folterten.
In der Nacht, bevor sie ihn kreuzigten.
In dieser Nacht nahm Jesus das Brot,
dankte und brach’s
und gab’s seinen Jüngern und sprach:
Nehmet hin und esset: das ist mein Leib,
der für euch gegeben wird;
solches tut zu meinem Gedächtnis.
In dieser Nacht nahm er den Kelch
nach dem Abendmahl,
dankte und gab ihnen den und sprach:
Nehmet hin und trinket alle daraus,
dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut,
das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden;
solches tut, sooft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.
In diesem Brot, das wir brechen, und in diesem Kelch,
den wir segnen,
gib uns Teil am Geheimnis des Glaubens:
Im Tod ist das Leben.
Deinen Tod verkünden wir
und deine Auferstehung preisen wir,
bis du kommst in Herrlichkeit.
AMEN.


Es segne uns, Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN.